Beziehungen zu Deutschland

Vlaamse Regering 2014

Historisch

Die historischen Beziehungen zwischen Flandern und Deutschland gehen weit in die Zeit zurück. Besonders bekannt sind die intensiven Handelsbeziehungen zwischen flämischen und deutschen Städten. Flandern war immerhin bereits im Mittelalter ein wichtiges Export- und Transitland. Die allseits bekannte Hanse beherrschte nicht nur den Handel mit dem Norden. Auch mit den südlich und östlich gelegenen Städten Deutschlands unterhielt Flandern Handelsbeziehungen. Makler und Diamantenhändler trugen dazu bei, dass Frankfurt am Main sich zum finanziellen Zentrum Europas entwickelte.  

Politisch

Durch die föderalen Reformen des Belgischen Staats wurde Flandern weitgreifende Kompetenzen zugesprochen, was den flämisch-deutschen Beziehungen zu Gute kam.

Die mit der flämischen Regierung abgeschlossenen Abkommen umfassen mehr als 70 Vereinbarungen zwischen Belgien und Deutschland, die entweder bilateral oder mit weiteren Partnern abgeschlossen wurden.

Auch auf europäischer Ebene macht sich Flandern seit vielen Jahren stark. Mehrere grenzüberschreitende Initiativen wurden eingeleitet, um die Bedeutung der über gesetzgebende Kraft verfügenden Region im immer größer werdenden Europa zu unterstreichen. Im Zuge dieser Initiativen wurde mit einigen Bundesländern Deutschlands eng zusammengearbeitet. Nordrhein-Westfalen und Bayern gehören zu den Mitbegründern der Arbeitsgruppe „Regionen mit gesetzgebender Funktion“ (REGLEC). Auch Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind in der Arbeitsgruppe aktiv.

Wirtschaftlich

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind gegenwärtig stärker denn je. Sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor haben sich zahlreiche deutsche Unternehmen gefestigt, denen in Flandern ein bedeutender Stellenwert zukommt.

Deutschland ist Flanderns wichtigster Handelspartner. 2011 zum Beispiel machte die Ausfuhr nach Deutschland 53 Milliarden Euro des flämischen Exports aus. Ungefähr die Hälfte der Güter ging nach Nordrhein-Westfalen. 

Der dato noch amtierende Ministerpräsident Flanderns, Kris Peeters (2007 bis 2014, CD&V) und damalige Minister für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Bundeslands Nordrhein-Westfalen, Harry Voigtsberger unterzeichneten 2012 eine Absichtserklärung für den Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Beide Regionen wollen auf dem Gebiet von Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Rohstoff- und Energieeffizienz zusammenzuarbeiten.

Kulturell

Die niederländische Sprache und Literatur

Deutschland ist ein wichtiges Land für niederländische Sprache und Literatur. Die Niederländische Sprachunion (Nederlandse Taalunie) ist für die Koordinierung der logistischen und finanziellen Unterstützung und für die offizielle der Fakultäten der Niederländischen Sprach- und Literaturwissenschaft verantwortlich. An circa 30 Hochschulen und Universitäten wird in Deutschland Niederländisch unterrichtet. Hochburgen für niederländische Sprache und Literatur befinden sich an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und an der Universität in Köln.

Das Haus der Niederlande in Münster ist das bedeutendste Zentrum für Niederländisch. Im historischen Kramerhaus wurde der Westfälische Frieden von Verhandlungsführern Republik der Sieben Vereinigten Provinzen im Jahre 1648 unterzeichnet, womit der achtzigjährige Krieg sein offizielles Ende fand.  Die Renovierung des Gebäudes wurde vom Departement für auswärtige Angelegenheiten mitfinanziert. Im Haus der Niederlande werden verschiedene kulturelle Aktivitäten mit Bezug zu den Niederlanden und Flandern organisiert. Das Haus der Niederlande ist im Übrigen auch die Hauptgeschäftsstelle der Fachvereinigung Niederländisch, eine deutschsprachige Vereinigung aus Niederländischlehrern, Lehrkräften und Dozenten an allgemeinbildenden Schulen und Berufskollegs, Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland.

Künstler und Artisten - Von Anfang an dabei

In den letzten zehn Jahren erfreuen sich auch flämische Kulturgrößen internationaler Beliebtheit. Viele Artisten fanden den Weg auf  deutsche Bühnen. Doch die kulturellen Beziehungen gehen weit zurück. So wohnte der flämische Kartograf Mercator in Deutschland und der flämische Maler Peter Paul Rubens wurde in der deutschen Stadt Siegen geboren. Zudem wurden seine Gemälde von vielen deutschen Höfen gekauft (Düsseldorf). Aus religiösen Gründen wanderten viele flämische Maler ins pfälzische Frankenthal aus. Der deutsche Komponist Ludwig von Beethoven kam aus dem flämischen Mechelen und der Flame Paul Van Ostaijen zog für kurze Zeit nach Berlin. Zu guter Letzt ist der Architekt Henry Van de Velde zu nennen, der erst in Deutschland berühmt wurde, bevor ihm der Durchbruch in seinem Heimatland gelang.

Freizeit und Tourismus

Flamen verbringen nach wie vor ihre Ferien im romantischen Deutschland. Hier besuchen sie Ausstellungen und Messen der rheinländischen Städte. Deutsche Touristen dahingegen halten sich gerne an der flämischen Küste und den Kunsthochburgen Flanderns auf.